Justicia indígena / Participación ciudadana

 

Justiz und außergerichtliche Konfliktlösungssysteme

 

Staatliche Justiz

 

Die Justiz in den Andenländern ist mit zahlreichen Problemen konfrontiert: Hierzu zählen die hohe Arbeitsbelastung der Richter und ineffiziente Verfahrensabläufe ebenso wie schwer überwindbare Zugangsschwellen für die Bevölkerung durch hohe Kosten, Korruption, Anwaltszwang, Ausschluss indigener Sprachen als Verhandlungssprachen, langwierige und für Laien kaum verständliche Verfahren. 

 

 Indigene Justiz

 

Einen wichtigen Beitrag zur Problemlösung können außergerichtliche Konfliktlösungssysteme leisten, insbesondere die mit juristischen Laien besetzten Friedensgerichte und die kommunale Justiz der indigenen Bevölkerung und der Campesinos. Durch sie werden die staatlichen Gerichte entlastet. Beispiele in Peru, Ecuador, Kolumbien und Venezuela zeigen, dass durch diese volkstümlichen Instanzen ein großer Teil der interpersonellen Konflikte gelöst werden kann. Die Zugangsschwellen sind gering, denn die Streitparteien können direkt in ihrer eigenen Sprache und auf gleicher Ebene - „face to face“- miteinander verhandeln. Die Richter / Mediatoren stammen aus der gleichen Bevölkerungsschicht, sie kennen die Probleme der örtlichen Bevölkerung. Mit ihnen kann auf gleicher Ebene kommuniziert werden. Die Streitschlichtungen und Streitentscheidungen werden i.d.R. von den Streitparteien akzeptiert, schließlich sind die Verfahren kostengünstig. Darüber hinaus übt die lokale Bevölkerung eine soziale Kontrolle über die Akteure aus, so dass es kaum Beschwerden wegen Rechtsverletzungen gibt. Während z.B. in Peru nur 14% der Bevölkerung der staatlichen Justiz Vertrauen entgegenbringen, haben 80% Vertrauen in die Friedensgerichtsbarkeit und nur 13% misstrauen dieser Instanz.

 

 

 Probleme

 

Dennoch existieren auch in diesen Konfliktlösungssystemen Probleme: Den juristischen Laien fehlen Kenntnisse über Grundrechte und elementare rechtstaatliche Prinzipien. In Fällen familiärer Gewalt wird häufig dem Erhalt der Ehe und der Familie größere Bedeutung beigemessen als dem Schutz der Opfer. Bei Sanktionen in der indigenen Justiz sind des Öfteren Menschenrechtsverletzungen zu beobachten. Ferner existieren Konflikte zwischen der staatlichen Justiz und den nichtstaatlichen Konfliktlösungssystemen, weil Justiz und Polizei häufig die Rechtmäßigkeit der Verfahren und Entscheidungen der außergerichtlichen Systeme nicht anerkennen.

Den Betroffenen kann geholfen werden, diese Probleme durch Beratungs- und Fortbildungsprojekte zu überwinden. 

 

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